Häufig gestellte Fragen

Was ist Pädophilie?

In der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wird Pädophilie als Störung der Sexualpräferenz aufgeführt und beschreibt die sexuelle Ausrichtung auf Kinder (Jungen, Mädchen oder Kinder beiderlei Geschlechts), die sich meist in der Vorpubertät oder in einem frühen Stadium der Pubertät befinden (z.B. keine/kaum Scham- und/oder Achselhaare, kleine Scheide, kleiner Penis, keine oder minimale Brustansätze). Zu unterscheiden ist diese von Personen mit einer sogenannten Hebephilie, die sich sexuell von Kindern und Jugendlichen mit (ersten Anzeichen) pubertärer Entwicklung angesprochen fühlen (wenig Scham- und/oder Achselhaare, leicht entwickelte Scheide, leicht entwickelter Penis, entwickelte Brustansätze, usw.).

Was sind die Ursachen?

Pädophilie ist eine Störung der Sexualpräferenz, die nach heutigem Forschungsstand durch biologische, psychologische und soziale Faktoren bestimmt ist. Welche dieser Faktoren zur Entstehung von Pädophilie genau zusammen kommen müssen ist bisher nicht geklärt. Jeder Versuch Pädophilie auf nur eine Ursache zu reduzieren greift daher zu kurz.

Zwischen den Begriffen Pädophilie, Pädosexualität und sexueller Kindesmissbrauch bestehen grundlegende Unterschiede, welche in medialer Betrachtung häufig eine unscharfe Verwendung finden:

Pädophilie ist eine sexualmedizinische Diagnose und beschreibt die sexuelle Ausrichtung auf vorpubertäre Kinder. Sie führt nicht zwangsläufig zu sexuellen Übergriffen auf Kinder. Der Begriff Pädophilie beschreibt also ausschließlich eine sexuelle Neigung bzw. ein Erleben und nicht ein sexuelles Verhalten!

Pädosexualität hingegen ist die sexualmedizinische Bezeichnung für „sexuelle Handlungen an Kindern“ und ist damit die Entsprechung für den strafrechtlichen Begriff „Sexueller Kindesmissbrauch“.

Der Begriff "Sexueller Kindesmissbrauch" beschreibt also das Verhalten und (im Gegensatz zum Begriff Pädophilie) nicht sexuelle Vorlieben.

Alle drei Begriffe stehen zwar miteinander in enger Beziehung, sind jedoch nicht identisch und können daher nicht synonym verwandt werden.

Das fälschliche Gleichsetzen zwischen sexuellem Erleben und sexuellem Verhalten findet in der kategorischen Verurteilung des „Pädophilen als Kinderschänder“ seine Entsprechung in der Alltagssprache.

Wie wird eine Diagnose erstellt?

Im Zentrum des sexualdiagnostischen Prozesses steht die sogenannte sexualmedizinische Exploration, ein klinisches Interview, in dem sämtliche Aspekte des sexuellen Erlebens und Verhaltens erforscht werden. Die hierbei gesammelten Informationen werden in der Regel ergänzt durch den Einsatz von sexualpsychologischen Fragebögen und Testverfahren (weitere Psychodiagnostik).

Die Kriterien für die Diagnose einer Pädophilie, sind in den international anerkannten diagnostischen Leitfäden der Weltgesundheitsorganisation WHO (ICD-10) und der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung APA (DSM-V) festgelegt. Das wichtigste Kriterium ist hierbei die sexuelle Erregbarkeit einer erwachsenen Person durch den Körper eines vorpubertären Kindes.

Bei der Untersuchung einer sexuellen Präferenzstruktur (also der sexuellen Vorlieben eines Menschen) ist vor allem wichtig, auch das Fantasieerleben mit einzubeziehen. Zum Beispiel: "Welche Fantasien führen bei der betroffenen Person zu sexueller Erregung?"

Eine fachkompetente Diagnostik und Behandlung der Pädophilie erfordert eine spezielle sexualmedizinische Qualifikation, welche im Rahmen des „Kein-Täter-Werden“-Projektes Regensburg anhand von speziell hierfür ausgebildeten TherapeutInnen gewährleistet wird.

Begehen alle pädophilen Menschen auch sexuellen Kindesmissbrauch?

Nein. Zahlreiche Betroffene gehen sehr verantwortungsvoll mit ihrer Neigung um und werden Zeit ihres Lebens nie zum Täter. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei einer sexuellen Ausrichtung auf Kinder um einen Risikofaktor für die Begehung von sexuellem Kindesmissbrauch.

Sind alle sexuellen Kindesmissbrauchstäter auch pädophil?

Nein. Es muss unterschieden werden zwischen pädophilen Tätern und Tätern, die sexuell auf Erwachsene ausgerichtet sind, aber "ersatzweise" auf Kinder ausweichen. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen, u.a. Schwierigkeiten zu Erwachsenen eine sexuelle Beziehung aufzubauen, das Ausüben(-Wollen) von Macht und Dominanz, was dann zum Übergriff auf Kinder führen kann. Der Anteil pädophil orientierter Täter am sexuellen Missbrauch von Kindern ist schon alleine deshalb schwer abzuschätzen, weil nur die Spitze des Eisberges in Form von Strafanzeigen und medial bekannt gewordenen Fällen überhaupt sichtbar wird. Die meisten Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch, und damit auch die meisten Täter, bleiben im Dunkelfeld. Verschiedenen Studien zufolge liegt die Quote pädophiler Männer unter Denjenigen, die wegen eines sexuellen Missbrauchsdelikts an einem Kind verurteilt wurden, bei etwa 40%.

Wie viele Menschen mit pädophilen Neigungen gibt es? Wie viele davon sind Frauen?

Zuverlässige Daten darüber, wie groß der Anteil pädophiler Menschen in der Bevölkerung ist, gibt es bisher nicht. Schätzungen zu Folge, basierend auf den Ergebnissen verschiedener Forschergruppen, kann von einem Anteil von ca. 1% pädophil orientierter Männer ausgegangen werden bzw. von 2-4% Männern mit pädophilen Interessen. Ausgehend von den für 2005 ermittelten ca. 30 Millionen Männern zwischen 18 und 75 Jahren wären das in Deutschland ca. 300 000 pädophil orientierte Männer, bzw. 600.000 - 1.200.000 Männer mit pädophilen Interessen.

Der Anteil der Frauen scheint nach bisherigem Kenntnisstand verschwindend gering zu sein. So haben sich z.B. im Rahmen des Präventionsprojektes Dunkelfeld an der Berliner Charité bisher nur zwei Frauen gemeldet; lediglich bei einer konnte dabei tatsächlich eine Pädophilie diagnostiziert werden. Auch in der Forschungsliteratur werden nur wenige Einzelfälle pädophiler Frauen beschrieben.

Wird die therapeutische Schweigepflicht wirklich eingehalten?

Die TherapeutInnen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht bezüglich aller in der Vergangenheit liegenden Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs, die ihnen im Rahmen ihrer therapeutischen Tätigkeit bekannt werden. Die ärztliche Schweigepflicht gehört zur entscheidenden Grundlage des therapeutischen Angebotes und ist bei Verletzung strafbar.

Wie groß sind die Erfolgschancen einer Therapie? Was ist ein Erfolg?

Nach gegenwärtigem Stand der Forschung ist Pädophilie weder heilbar, noch ist bekannt, welche Ursachen ihr zugrunde liegen. Das einzig realistische Therapieziel ist daher, einen verantwortungsvollen Umgang mit der pädophilen Neigung zu erreichen. Dies bedeutet keinen sexuellen Übergriff auf ein Kind zu begehen, weder direkt noch durch den Konsum von Kinderpornografie. Wird dieses Ziel erreicht und ist dies u.a. auf die Therapie zurückzuführen, kann von einer erfolgreichen Therapie gesprochen werden.

Was ist Ziel der Therapie?

Ziel der Therapie ist es unter anderem zu lernen, das eigene Verhalten so zu kontrollieren, dass es zu keinem sexuellen Übergriff auf Kinder kommt. Wenn die Intensität der sexuellen Impulse zu hoch ist um alleine durch "Willenskraft" das Verhalten zu kontrollieren, besteht die Möglichkeit einer zusätzlichen medikamentösen Behandlung. Durch diese Medikamente können die sexuellen Impulse gedämpft werden.

Weiterhin steht eine Minderung des Leidensdrucks der Betroffenen im Vordergrund der therapeutischen Behandlung.

Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie?

Auf Seiten der Betroffenen vor allem der entschiedene Wille, keine sexuellen Übergriffe auf Kinder zu begehen sowie die Bereitschaft, für die Dauer der Therapie (ca. zwei Jahre) regelmäßig an den wöchentlichen Therapiesitzungen aktiv teilzunehmen.

Wie funktioniert die Therapie?

Die Therapie folgt einem sogenannten "multimodalen" Ansatz, indem Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie, der Sexualtherapie und ggf. einer medikamentösen Therapie zusammengeführt werden.

Die therapeutischen Teilziele orientieren sich an den sogenannten "skills" (Fertigkeiten), die in der Forschung als entscheidend für die Kontrolle sexueller Impulse identifiziert wurden. Die einzelnen Schwerpunkte zeigen sich in den Modulen eines strukturierten Therapieplans:

  • Vermittlung eines individuellen Störungsbildes und Entstehungshintergrundes
  • Erhöhung der Akzeptanz der Störung über Übungen zur Selbstbeobachtung und Selbsterfahrung
  • Training der Konfliktfähigkeit zum Abbau von Aggression und Selbstunsicherheit
  • Training der Kommunikationsfertigkeit (ggf. unter Einbeziehung der Partnerin zur Erhöhung partnerschaftlicher Zufriedenheit)
  • Wissensvermittlung zur Reduktion von Fehlannahmen bezüglich Sexualität und sexueller Reife von Kindern
  • Einstellungsänderung hinsichtlich Sexualität und eigener Präferenz
  • Medikamenteneinnahme zur unterstützenden Impulsreduktion
  • Therapeutische Rollenspiele und Rollenwechsel zur Schulung der Fähigkeit zur Perspektivenübernahme
  • Training zur Selbst- und Fremdwahrnehmung (Gefühl, Gedanke und Verhalten)
  • therapeutische Rollenspiele und Modellbildung zur Schulung der Empathiefähigkeit
  • Erhöhung der Frustrationstoleranz
  • Entwicklung alternativer Verhaltensstrategien
  • Einüben alternativer Verhaltensstrategien zur Erhöhung der Selbstwirksamkeit
  • Aufbau eines unterstützenden Netzwerkes
Wie lange dauert die Therapie?

Die angebotene ambulante Therapie erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren, mit ca. 45 wöchentlich stattfindenden Therapiesitzungen. Hierbei dauert eine Sitzung im Gruppentherapieverfahren drei Stunden, im Einzeltherapieverfahren eine Stunde.

Was muss für die Therapie bezahlt werden?

Die Therapie im Rahmen des Kein Täter werden Netzwerk ist für alle Betroffenen kostenfrei.